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Schielen (Strabismus)

Schielt ein Mensch, hat er umgangssprachlich also einen „Silberblick“, sehen seine Augen nicht in dieselbe Richtung. Es gibt verschiedene Formen des Schielens, die Kinder und/oder Erwachsene betreffen können


Netter Silberblick? Vorsicht! Schielt ein Kind, sollten Eltern mit ihm auf jeden Fall rasch zum Augenarzt gehen

Was versteht man unter Schielen?

Normalerweise sehen beide Augen in die gleiche Richtung und fixieren ein bestimmtes Objekt. Jedes Auge fängt dabei ein Bild ein, das sich nur geringfügig vom Bild des anderen Auges unterscheidet. Im Gehirn werden beide Bilder zu einer gemeinsamen Sinneswahrnehmung zusammengesetzt. Man sieht also mit dem Gehirn. Die Augen nehmen nur beide Bilder auf und ‚leiten’ sie an das Sehzentrum.

Schielt ein Mensch, weicht ein Auge von der Sollblickrichtung ab. Entweder schielt immer das gleiche Auge, oder das fixierende und das schielende Auge wechseln einander ab.  Kann das Gehirn den Seheindruck des schielenden Auges unterdrücken, sieht der Betroffene weitgehend  ein „normales“, Bild. Gelingt dies dem Gehirn nicht, sieht der Betroffene häufig doppelt. Schielt ein kleines Kind, kann sich das dreidimensionale Sehen – auch 3 D-Sehen oder räumliches Sehen genannt – nicht entwickeln. Allerdings kann das räumliche Sehen auch bei Erwachsenen gestört sein, wenn das Schielen neu auftritt und länger besteht.



UNSER EXPERTE: Professor Dr. med. Heimo Steffen, Facharzt für Augenheilkunde

Schielen lässt sich in mehrere Kategorien einteilen. So unterscheiden Augenärzte unter anderem Begleitschielen, Lähmungsschielen und latentes Schielen.

Das sogenannte frühkindliche Innenschielen, eine Form des Begleitschielens, kommt in Deutschland am häufigsten vor. Diese Schielform betrifft etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung und tritt bereits in den ersten sechs Lebensmonaten eines Kindes auf. Der Begriff Begleitschielen kommt daher, dass das schielende Auge das fixierende Auge in jede Richtung begleitet. Der Schielwinkel bleibt in allen Blickrichtungen etwa gleich groß.

Lähmungsschielen kann in jedem Lebensalter auftreten. Hierbei führen ein oder mehrere gelähmte Nerven dazu, dass ein oder mehrere Augenmuskeln nicht mehr richtig funktionieren und das betreffende Auge schielt. Lähmungsschielen kann auf eine ernste Krankheit hindeuten.

Von latentem Schielen sprechen Mediziner, wenn sich das Schielen nur unter bestimmten Umständen bemerkbar macht. Beispielsweise, wenn jemand Alkohol getrunken hat oder müde ist.

Darüber hinaus definieren Experten noch weitere Schielarten: Weicht immer dasselbe Auge von der Sollblickrichtung ab, handelt es sich um unilaterales beziehungsweise monolaterales Schielen. Ein alternierendes Schielen liegt vor, wenn beide Augen abwechselnd abweichen. Zeigt ein Auge nach außen, sprechen Mediziner von Außenschielen oder Exotropie. Weicht das Auge nach innen ab, also zur Nase hin, liegt ein Innenschielen beziehungsweise eine Esotropie vor. Schielt das Auge nach oben oder unten, nennt sich dies Vertikal- oder Höhenschielen. Bei einer Drehung des Auges um die Sehachse, handelt es sich um ein Verrollungsschielen. Manchmal schielt ein Auge so minimal, dass es kaum auffällt. Augenärzte sprechen dann von Mikrostabismus.

Schielen kann zudem als Begleiteffekt einer anderen Augenkrankheit entstehen und wird dann als sekundäres Schielen bezeichnet.

Schielen kann – je nach Form – verschiedene Ursachen haben. Wird es nicht rechtzeitig behandelt, kann es zu einer Sehschwäche kommen. Egal welche Form vorliegt, Betroffene sollten immer einen Augenarzt aufsuchen.

Achtung: Treten plötzlich Doppelbilder auf und kommen weitere Symptome wie herabhängende Mundwinkel oder eine einseitige Lähmung hinzu, kann dies auch auf einen Schlaganfall hindeuten. Deshalb im Zweifel immer den Notarzt verständigen!


Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.



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www.apotheken-umschau.de; 19.01.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, Thinkstock/iStockphoto

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