Zähneknirschend übernehmen wir unliebsame Aufgaben. Schmerz lässt uns die Zähne zusammenbeißen, und wenn etwas schnell gehen soll, dann "legen wir einen Zahn zu". Dass so viele Metaphern unsere Beißerchen als Bild beinhalten, kann doch kein Zufall sein, oder? Nein, denn unsere Zähne sind ein wichtiges Werkzeug.
Wir beißen in die Wienerwurst, wir kauen das Vollkornbrot, wir zermalmen den Apfel. Tagsüber. Doch bei manch einem steht das Kauwerkzeug auch nachts nicht still. Gemeint sind Menschen, die im Schlaf mit den Zähnen knirschen. Doch warum tun sie das? Dr. Sebastian Ziller, Abteilungsleiter für Prävention und Gesundheitsförderung der Bundeszahnärztekammer, erläutert die Ursachen.
Viele Menschen knirschen mit den Zähnen. Was kann das für Gründe haben?
Es gibt viele Ursachen für das Zähneknirschen und/oder -pressen, den sogenannten Bruxismus. Sie sind auch noch nicht abschließend untersucht. Zum Teil sind schlecht sitzende Füllungen, Kronen, Brücken oder Prothesen verantwortlich. Es kann auch eine kieferorthopädische Fehlstellung vorliegen. Doch das ist meist nicht der einzige Grund. Verdrängte Aggressionen, Ärger und Sorgen, Trauer, Enttäuschung und jede Art von permanentem Stress können das nächtliche Zähnepressen hervorrufen. Diejenigen, die tagsüber "den Mund halten müssen" und alles "hinunterschlucken", sind besonders prädestiniert, nachts mit den Zähnen zu knirschen.
Woran erkennt der Zahnarzt das Knirschen?
Der Arzt inspiziert die Mundhöhle und tastet die Kaumuskulatur ab. Manchmal ist das Höckerrelief der Zähne bereits abgeflacht und der Zahnschmelz abgeschliffen – es entstehen sogenannte Schliff-Facetten. Wie das Knirschen kann auch das Aufeinanderpressen der Zähne zu feinen Rissen im Zahnschmelz führen. Zusätzlich können die Kaumuskeln schmerzen. Sie werden größer und verhärten. Auch die Kiefergelenke sind durch das Knirschen und Pressen häufig in Mitleidenschaft gezogen. Dies kann der Zahnarzt durch Abtasten der Wangenmuskulatur und der Kiefergelenksregion diagnostizieren.
Kann ich selber feststellen, ob ich Knirscher bin?
Die Kaumuskeln können schmerzen, besonders morgens nach dem Aufwachen. Sie verhärten. Wer sich unsicher ist, ob er zu den Knirschern gehört, sollte morgens die Muskulatur an der Wange zum Kiefergelenk hin abtasten. Ist sie verspannt oder verhärtet? Oder haben sich dort kleine Knubbel gebildet? Auch die Kiefergelenke sind durch das Knirschen und Pressen häufig in Mitleidenschaft gezogen und können Schmerzen verursachen. Schließlich kann der Partner das Knirschen nachts hören. Wenn es besonders intensiv ist, kann er sogar davon aufwachen.
Wie hilft der Zahnarzt seinen knirschenden Patienten?
Das Mittel der Wahl ist eine vom Zahnarzt individuell angepasste Aufbissschiene aus Kunststoff. Damit werden die Zahnreihen auf Abstand gehalten und vor weiterem Schaden bewahrt. Auch die Muskulatur wird entlastet. Allerdings ist das eine akute Symptomtherapie, die die Ursache nicht behebt. Es geht also auch darum, sich verdrängten Emotionen zu stellen, sich etwa zu fragen: Wie komme ich mit Aggressionen klar? Kann ich traurig sein, wenn es mir schlecht geht? Vielen Betroffenen helfen Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Muskelentspannung. Eine Psychotherapie kann ebenfalls dabei helfen, die eigenen Gefühle aufzuarbeiten.
Sind beispielsweise mehr Frauen als Männer betroffen? Oder Kinder?
Mindestens ein Drittel aller Erwachsenen knirscht im Laufe des Lebens zeitweise mit den Zähnen oder presst die Zähne nachts fest aufeinander. Etwa zehn bis 15 Prozent der Betroffenen entwickeln ein Krankheitsbild mit Schäden am Kauapparat. Vor allem Frauen zwischen 30 und 45 Jahren mahlen nachts unbewusst mit den Zähnen. Sie machen rund 80 Prozent aller Knirscher aus.
Hört das Knirschen irgendwann auf? Oder muss der Betroffene die Schiene ein Leben lang tragen?
Sobald die Ursachen beseitigt sind, hört auch das Knirschen auf. Psychotherapien, die die zugrunde liegende Stressanfälligkeit behandeln sollen, dauern allerdings lange, sodass auch das Knirschen einen Menschen länger begleiten kann.
Wie oft muss man die Schiene wechseln? Wie säubert man sie am besten?
Das hängt von der individuellen Situation ab. Bei starken Knirschern kann eine Neuanfertigung nach acht bis 12 Wochen nötig sein, bei anderen hält die Schiene zwei Jahre oder länger. Gesäubert wird die Schiene, die nachts getragen wird, morgens nach dem Aufstehen mit Wasser, Zahnbürste und Zahnpasta.
Unser Experte:
Dr. Sebastian Ziller, Abteilungsleiter für Prävention und Gesundheitsförderung der Bundeszahnärztekammer
Sophie Kelm / www.apotheken-umschau.de;
11.08.2009, aktualisiert am 29.03.2011
Bildnachweis: W&B/Privat, iStock/Steve Coleccs
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