Krankheitsbild mit akuter Entzündung von Herz, Gelenken, Haut und Nervensystem, das nach abgelaufener Racheninfektion mit bestimmten Bakterien (betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A) auftritt. Das rheumatische Fieber war früher die häufigste rheumatische Erkrankung im Kindesalter, ist aber in Deutschland seit Einführung des Penicillins selten geworden.
Ursache: Die im Rahmen der Abwehrreaktion gegen die Bakterien gebildeten körpereigenen Antikörper richten sich v. a. auch gegen Zellstrukturen des Herzmuskels. Der genaue Mechanismus ist bisher noch ungeklärt.
Befund: Der Racheninfekt (Scharlach oder Mandelentzündung) geht dem rheumatischen Fieber ca. 2–4 Wochen voraus. Dieses beginnt meist mit hohem Fieber und schmerzhaften, von Gelenk zu Gelenk »wandernden« Schwellungen und Rötungen. An der Haut des Rumpfes zeigen sich rosarote ringförmige Flecken, manchmal entwickeln sich auch kleine Knötchen unter der Haut. Am folgenschwersten ist die Entzündung des Herzens, die zu Herzklappenschäden und einer resultierenden Herzschwäche führen kann (erworbene Herzfehler). Selten und erst nach Monaten kann v. a. bei Kindern ein Syndrom mit unkontrollierten Bewegungen (Chorea Sydenham; Chorea) auftreten.
Behandlung: Zur Bekämpfung der Streptokokken und zur langfristigen Verhinderung einer erneuten Infektion müssen die Betroffenen Penicillin über mehrere Jahre einnehmen. In diesem Sinne erfolgt auch nach Abklingen der akuten Krankheitsphase die »Herdsanierung« wie z. B. die operative Mandel- oder Zahnentfernung. Ferner werden Medikamente zur Eindämmung der Entzündungsreaktion des Herzens eingesetzt.
Brockhaus Gesundheit; 30.11.2010, aktualisiert am 09.12.2010
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